Wir sind nicht die Endstation

Im Simonshof der Caritas finden derzeit 83 Männer Zuflucht, die sonst auf der Straße leben würden. Feste Essenszeiten, Arbeits- und Freizeitangebote sorgen für einen geregelten Alltag. Ziel ist, die Männer in eine eigene Wohnung zu entlassen. Carina Wetzel von der Caritas und zwei Betroffene erzählen vom Zusammenleben.

Von Heike Beudert

Eine warme Wohnung, regelmäßige Mahlzeiten, das Gefühl zuhause zu sein – was von vielen Menschen als Selbstverständlichkeit angesehen wird, ist für geschätzt rund 600.000 Männer und Frauen in unserem Land in weiter Ferne. Sie gelten als wohnungslos, sind auf Notunterkünfte angewiesen oder müssen ihr Leben sogar auf der Straße verbringen. Der Caritasverband hilft Menschen in dieser besonderen Lebenssituation. 

Der Heimathof Simonshof der Caritas unweit der Gemeinde Bastheim (Landkreis Rhön-Grabfeld) will Betroffenen eine neue Lebensperspektive geben, sei es vorübergehend oder für immer. 

Für René W. ist der Simonshof Heimat geworden. „Es ist wie eine Familie“, betont er. „Wir werden hier wie Menschen behandelt. Ohne den Simonshof wäre ich schon drei Jahre tot“, sagt er. Hier hat er menschliche Zuwendung gefunden und Zugang zur notwendigen medizinischen Versorgung, auf die er angewiesen ist. Ehe er in die Einrichtung kam, hatte René W. bereits 17 Jahre auf der Straße gelebt. Frank O. ist vor sieben Monaten in den Simonshof gekommen. „Heimat ist es noch nicht, aber ich fühle mich sehr wohl“, erklärt er. 

In die Notlage kam er durch eine gescheiterte Beziehung und gesundheitliche Probleme. Wohnungslos geworden, scheiterten alle Versuche, eine eigene Wohnung zu finden. Als ihm die Möglichkeit eröffnet wurde, in den Simonshof zu ziehen, nahm er das Angebot an.

Der Schritt von der Stadt hinaus aufs Land sei nicht ganz einfach gewesen, sagt O. Doch er ist froh, ihn gewagt zu haben. Er schätzt den guten Geist in dieser Einrichtung ebenso wie die Unterstützung, die er erhält.

Im Simonshof sollen die Klienten wieder einen geregelten Alltag kennenlernen, betont Carina Wetzel, stellvertretende Leitung Soziale Dienste-Wohnungslosenhilfe im Simonshof. Dazu gehört neben festen Essenszeiten auch ein Arbeitsangebot. Die Männer im Simonshof können in Werkstätten und bei entsprechender körperlicher Fitness im dazugehörigen Wald mitarbeiten. Seine Arbeit in der Korbflechterei tue ihm gut, sagt Frank O. Im Herbst hat er mit anderen geholfen, die Walnussernte einzubringen und die Äpfel aus den Streuobstwiesen zu sammeln. Nüsse und Apfelsaft werden jetzt im Café des Simonshofs verkauft. 

Für derzeit 83 Männer der Einrichtung gibt es eine sogenannte Hilfeplanung, erläutert Carina Wetzel. Denn die Hilfsmaßnahmen sollen zu einem Ziel führen. Ansprechpartner begleiten die Bewohner auf ihrem Weg. „Wir sind nicht die Endstation“, sagt Carina Wetzel. Ziel sei die eigene Wohnung. Doch es leben in der Einrichtung auch Klienten, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme oder ihres Alters wohl dauerhaft hier wohnen werden. Deshalb gibt es eine Pflegeeinrichtung auf dem Gelände, die jedoch auch für Menschen aus der Region offen ist. 

Und wer bis an sein Lebensende bleibt, der kann hier seine letzte Ruhe auf dem oberhalb liegenden Friedhof der Einrichtung finden. Zu einem strukturierten Tag gehören im Simonshof Freizeitangebote. „Das Gemeinschaftsgefühl ist uns wichtig“, betont Carina Wetzel. Den Bewohnern steht ein eigener Freizeitraum mit Kicker, Spielen, Bibliothek und kleiner Kegelbahn zur Verfügung. Je nach Jahreszeit werden Veranstaltungen organisiert. Jetzt, im Advent, gehören ein gemeinsames Adventsessen in einer Gastwirtschaft oder das gemeinschaftliche Schmücken dazu. „Die Weihnachtsfeier am Heiligen Abend ist wunderschön“, betont René W. 

Die Bewohnerband spielt Weihnachtslieder. Der Sozialdienst kümmert sich um Geschenke. Für Frank O. wird es das erste Weihnachtsfest am Simonshof sein: „Kerzen, Kaffee und Kuchen, Plätzchen, da freue ich mich darauf.“

Consent Management Platform von Real Cookie Banner